Australiens Social-Media-Verbot treibt Jugendliche in „dunklere Ecken“, warnt Meta

Oscar

Meta fordert die australische Regierung auf, ihr weltweit erstes Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige zu überdenken. Das Unternehmen argumentiert, dass die Strategie des „pauschalen Verbots“ bereits erhebliche Mängel aufweise. Nachdem in der ersten Woche der Durchsetzung des Gesetzes über 544.000 Konten auf Instagram, Facebook und Threads entfernt wurden, warnt der Technologieriese, dass dieser Schritt möglicherweise mehr schadet als nützt.

Die Hauptsorge von Meta besteht darin, dass die Abschottung von Teenagern von den Mainstream-Plattformen sie nicht davon abhält, online zu gehen. Der Umzug treibt sie angeblich nur woanders hin. Seit Inkrafttreten des Verbots am 10. Dezember 2025 ist eine spürbare Abwanderung junger Nutzer hin zu anderen Plattformen zu beobachten. Letztere sind kleiner, weniger reguliert und fallen nicht in den Geltungsbereich des neuen Gesetzes.

Das Social-Media-Unternehmen bezeichnet dies als „Whack-a-Mole“-Effekt. Mit anderen Worten: Jugendliche strömen in Scharen zu alternativen Apps wie Lemon8 oder Yope, sobald sie von Instagram blockiert werden. Meta argumentiert, dass diesen kleineren Diensten oft die robusten Sicherheitstools, Berichtsfunktionen und Moderationsteams fehlen, die größere Plattformen jahrelang aufgebaut haben. Als Ergebnis könnten sie Minderjährige in „dunkleren Ecken“ des Internets größeren Risiken aussetzen.

Ein Aufruf zur App-Store-Verantwortung

Anstatt bestimmte Apps zu verbieten, drängt Meta Australien dazu, die Last der Altersüberprüfung auf die App-Store-Ebene zu verlagern. Nach diesem Vorschlag wären Apple und Google dafür verantwortlich, das Alter eines Benutzers zu überprüfen und die Zustimmung der Eltern einzuholen, bevor eine App überhaupt heruntergeladen werden kann.

Meta schlägt vor, dass dadurch ein einheitlicher, branchenweiter Standard geschaffen würde, der für jede App gilt, die ein Teenager verwenden könnte, und nicht nur für eine ausgewählte Liste von zehn. Der Technologieriese ist davon überzeugt, dass Anreize für Unternehmen, ihre Sicherheitsstandards zu erhöhen und „altersgerechte Erlebnisse“ anzubieten, langfristig eine wirksamere Lösung sind als ein völliges Verbot.

Jugendliche greifen angeblich auf VPNs zurück, fälschen die KI oder Konten für Erwachsene

Trotz der massiven Deaktivierungen hat sich das Verbot für entschlossene Teenager als überraschend einfach erwiesen, es zu umgehen. Berichten zufolge nutzen viele VPNs, um so zu tun, als wären sie in einem anderen Land. In der Zwischenzeit haben andere erfolgreich KI-Tools zur Altersschätzung ausgetrickst, indem sie geschickte Beleuchtung oder Make-up eingesetzt haben, um älter auszusehen.

Abgesehen von den technischen Tricks sind einige Teenager einfach auf Konten ihrer Eltern umgezogen. Dies macht es für Plattformen sogar schwierig, zwischen Nutzung durch Erwachsene und Minderjähriger zu unterscheiden. Die Situation hat Metas Argument bestärkt, dass es dem aktuellen Gesetz an einem klaren, branchenweiten Standard für die Online-Altersbestimmung fehle. Im Grunde geht es darum, „angemessene Compliance“ zu einem beweglichen Ziel zu machen.

Angesichts dieser Situation gewinnt die Forderung von Meta Australia, das Social-Media-Verbot zu überdenken, an Gewicht.

Was liegt vor uns?

Die australische Regierung, der wegen nicht konformer Plattformen Geldstrafen von bis zu 49,5 Millionen australischen Dollar (AUD) drohen, bleibt bei ihrer Auffassung, dass es bei dem Verbot um den Schutz der psychischen Gesundheit junger Menschen geht. Premierminister Anthony Albanese hat den Schritt als einen Weg bezeichnet, „Kinder Kinder sein zu lassen“, weg von süchtig machenden Algorithmen.

Da jedoch andere Länder wie das Vereinigte Königreich und Frankreich über ähnliche Gesetze nachdenken, drängt Meta auf einen differenzierteren Ansatz. Sie zielen darauf ab, sich auf Kindersicherung und App-Store-Überwachung zu konzentrieren. Ob ein Ansatz besser ist als der andere, wird wahrscheinlich weiterhin im Mittelpunkt der globalen Debatte stehen. Der „mehrschichtige Prozess“ der Kontodeaktivierung läuft vorerst weiter.