EU ordnet an, dass TikTok „süchtig machendes Design“ beheben muss oder mit Geldstrafen in Milliardenhöhe rechnen muss

Oscar

Die digitale Landschaft in Europa könnte sich für immer verändern, wenn die Regulierungsbehörden über die Überwachung von Inhalten hinausgehen und die Kernarchitektur der sozialen Medien unter die Lupe nehmen. Frankreich, das Vereinigte Königreich und Spanien fördern die Beschränkung sozialer Apps oder Dienste auf Jugendliche. Nun hat die Europäische Kommission (EU) eine Warnung an TikTok ausgesprochen und behauptet, dass das „süchtig machende Design“ der Plattform gegen den Digital Services Act (DSA) verstößt, und droht mit hohen Geldstrafen.

Von Natur aus giftig: Die Klage der Europäischen Kommission gegen die Funktionen von TikTok

Jahrelang konzentrierte sich die Debatte um soziale Medien auf das, was die Leute posteten. Jetzt verlagert sich der Fokus auf die Art und Weise, wie die Apps erstellt werden. EU-Tech-Chefin Henna Virkkunen erklärte, dass Funktionen wie „unendliches Scrollen“, Autoplay und Push-Benachrichtigungen darauf abzielen, Benutzer in einem „Autopilot-Modus“ zu halten.

Die ersten Erkenntnisse der Kommission besagen, dass diese Dinge mithilfe der Verhaltensforschung einen nie endenden Kreislauf von Dopamin-Belohnungen erzeugen. Die Bereitstellung eines nie endenden Stroms personalisierter Inhalte für Benutzer kann zu zwanghaftem Verhalten führen. Es könnte ihnen auch schwerer fallen, sich selbst zu kontrollieren. Die Aufsichtsbehörden sind besonders besorgt darüber, wie sich diese „Suchtschleifen“ auf Kinder auswirken werden, die möglicherweise nicht über die mentalen Fähigkeiten verfügen, ihnen zu widerstehen.

Die vorgeschlagenen Änderungen

Um europäisches Recht einzuhalten und hohe Strafen zu vermeiden, muss TikTok möglicherweise einige seiner erfolgreichsten Funktionen abschaffen. Die Europäische Kommission hat mehrere verbindliche Änderungen für den europäischen Betrieb der Plattform vorgeschlagen.

Zuerst müssen sie das klassische Infinite-Scroll-System deaktivieren, das in den sozialen Medien vorherrscht. Abkehr vom bodenlosen Feed, der es Benutzern ermöglicht, unbegrenzt durch Videos zu blättern, behauptet die Behörde.

Die zweite Forderung der EU besteht darin, Zwangspausen einzuführen. Das Erzwingen dieser „Bildschirmpausen“, insbesondere während der Nachtstunden, wird laut der Europäischen Kommission dazu beitragen, Schlafentzug zu verhindern.

Schließlich fordert die EU einige wichtige Algorithmusanpassungen für Social-Media-Plattformen. Sie hoffen, dass sich eine Änderung des Empfehlungssystems, bei der das Wohlbefinden des Benutzers Vorrang vor maximalem Engagement hat, positiv auf die psychische Gesundheit auswirken wird.

Die Behauptungen der EU seien „kategorisch falsch“, behauptet TikTok

TikTok hat diese Anschuldigungen nicht auf die leichte Schulter genommen. Ein Sprecher des Unternehmens bezeichnete die Ergebnisse als „kategorisch falsch und völlig unbegründet“ und versprach, die Darstellung ihrer Plattform mit allen verfügbaren rechtlichen Mitteln anzufechten. TikTok argumentiert, dass seine vorhandenen Tools wie Kindersicherung und Zeitmanagementfunktionen ausreichen, um seine Community zu schützen.

Die EU bleibt jedoch unbeeindruckt. Wenn TikTok die Anforderungen der Kommission nicht erfüllt, drohen ihm Geldstrafen von bis zu 6 % seines gesamten weltweiten Jahresumsatzes – eine Zahl, die sich auf mehrere Milliarden US-Dollar belaufen könnte.

Der „Warnschuss“ für Big Tech

Während TikTok derzeit im Rampenlicht steht, dient dieser Fall als „Realitätscheck“ für die gesamte Branche. Facebook und Instagram von Meta stehen aufgrund ihrer Algorithmen bereits unter ähnlicher Prüfung. Darüber hinaus wurden Plattformen wie Snapchat und YouTube um detaillierte Informationen zu ihren Sicherheitssystemen gebeten.

Was auch immer das Ergebnis dieser und anderer Initiativen sein mag, es scheint, dass wir uns von einer Ära entfernen, in der die „Maximierung des Engagements“ um jeden Preis im Vordergrund stand. „Engineered Responsibility“ könnte weltweit zum neuen Rechtsstandard werden.