Seit über einem Jahrzehnt sind Chromebooks in Schulen genauso verbreitet wie Notizbücher und Bleistifte. Pädagogen loben diese Geräte oft für ihre Erschwinglichkeit und Vielseitigkeit. Allerdings deuten neu enthüllte interne Dokumente von Google auf eine eher kalkulierte Geschäftsmotivation hin. Laut Präsentationen, die während eines großen Rechtsstreits wegen Social-Media-Sucht aufgetaucht sind, betrachtet Google seine Präsenz in Schulen als eine Möglichkeit, Kinder in sein Ökosystem „einzubinden“, um Markenvertrauen aufzubauen, das ein Leben lang anhält, und Chromebooks wären ihre wichtigste Methode.
Auf einer spezifischen Folie aus einer Präsentation aus dem Jahr 2020, über die kürzlich von NBC News berichtet wurde, heißt es ganz klar: „Wenn Sie jemanden früh auf Ihr Betriebssystem bringen, erhalten Sie diese Loyalität früh und möglicherweise lebenslang.“ Diese Strategie zielt darauf ab, eine „Pipeline zukünftiger Benutzer“ zu schaffen. Nachdem sie jahrelang Google-Tools für Hausaufgaben verwendet haben, entscheiden sie sich natürlich für die gleiche Marke wie Erwachsene.
„Loyalty for Life“: Interne Dokumente zeigen Googles langfristige Schulstrategie
Die Papiere erklären auch, wie kompliziert die Beziehung zwischen Google und YouTube im Klassenzimmer ist. Das Unternehmen möchte die Videoplattform zu einem zentralen Lernmittel machen. Irgendwann dachten sie sogar über eine Welt nach, in der die Schulbudgets vom Kauf von Büchern bis zur Bezahlung von YouTube-Abonnements reichen würden. Allerdings zeigen eigene Untersuchungen, dass große Risiken bestehen.
Auf Folien aus dem Jahr 2024 heißt es, dass YouTube „ablenkend“ und „unsicher“ sein kann. Die Forscher fanden außerdem heraus, dass viele Benutzer die Zeit bereuen, die sie verschwendet haben, wenn sie „in den Kaninchenbau gehen“. Das bedeutet, lange wach zu bleiben und nicht genug Schlaf zu bekommen. In einem aufgezeichneten Fall erhielt ein Student, der nach „linearen Gleichungen“ suchte, von einem Benutzer mit einem sehr unangemessenen Benutzernamen einen Link zu einem Comedy-Sketch von Will Ferrell.
Eine wachsende Debatte über Technologie in Schulen
Bildungsexperten wie der kognitive Neurowissenschaftler Jared Cooney Horvath beginnen, ihre Bedenken zu äußern. Horvath argumentiert, dass diese Unternehmen zwar über Lernen sprechen, dies jedoch oft als Deckmantel für die Sicherung lebenslanger Kunden dient. Auf der anderen Seite des Ganges erklärte Google-Sprecher Jack Malon, dass diese Dokumente die Mission des Unternehmens „falsch charakterisieren“. Malon betonte, dass die Administratoren die volle Kontrolle behalten und dass YouTube-Inhalte eine Reaktion auf die hohe Nachfrage von Pädagogen nach lehrplanorientiertem Material seien.
Da diese Woche die Auswahl der Jury für den Prozess zwischen Google, Meta und ByteDance beginnt, ändert sich die Diskussion. Die Frage ist nicht mehr nur, ob Technologie den Schülern beim Lernen hilft, sondern auch, ob das Klassenzimmer ein Raum für den Aufbau von Unternehmensmarken sein sollte. Derzeit entfallen 80 % aller Chromebook-Käufe in den USA auf Schulen.