Meta- und Google-Gesichtsverhandlung wegen süchtig machender „Casino-ähnlicher“ sozialer Apps

Oscar

Die Rechtslandschaft für soziale Medien könnte sich nach einem Prozess, der diese Woche in Los Angeles begann, für immer verändern. In dem bahnbrechenden Prozess tritt eine 20-jährige Frau, die als KGM identifiziert wurde, gegen die Technologiegiganten Meta und Google an. Dabei wird argumentiert, dass die Social-Media-Apps Instagram und YouTube sorgfältig als „Suchtmaschinen“ konzipiert wurden, um junge Köpfe für Profit zu gewinnen.

Der Kern dieses Versuchs geht weg von dem, was die Leute posten, und konzentriert sich stattdessen auf die Funktionsweise der Plattformen. Die Anwälte des Klägers sagen, dass Funktionen wie unendliches Scrollen, Autoplay und Schönheitsfilter wie „digitale Casinos“ funktionieren. Mit anderen Worten: Sie behaupten, dass diese Plattformen psychologische Auslöser nutzen, wie sie bei Spielautomaten zu finden sind, um Menschen dazu zu bringen, sie immer wieder zu nutzen. Diese Praktiken wären besonders schädlich für den Geist von Kindern, da es nahezu unmöglich wäre, sie zu brechen.

Interne Dokumente standen im Mittelpunkt. Die Jury sah E-Mails von vor fast einem Jahrzehnt, in denen Meta-Führungskräfte die Notwendigkeit diskutierten, die „aufgewendete Zeit“ um 12 % zu erhöhen, um Geschäftsziele zu erreichen. Ein besonders auffälliges Dokument aus dem Jahr 2018 deutete an, dass Unternehmen, um bei Teenagern „groß zu gewinnen“, sie als „Tweens“ rekrutieren müssten. Das Dokument stellte fest, dass Nutzer, die Facebook mit 11-jährigen Kindern beitraten, eine viel höhere langfristige Bindung zeigten (bis zum Vierfachen).

Für YouTube präsentierten die Kläger eine Diashow, in der sich die Plattform mit einem Babysitter verglich, der Kinder unter vier Jahren „einfängt“. Die Plattform zielte angeblich auch gezielt auf junge Menschen ab, um „Werbetreibenden mehr zu verlangen“.

In beiden Fällen (Meta und Google) zeigen Dokumente aus dem Jahr 2011, dass sie die angeblich schädlichen Auswirkungen ihrer Plattformen auf junge Menschen diskutierten und sich dessen bewusst waren.

Die Verteidigung: Persönliche Geschichte und Wahl

Anwälte, die Meta und YouTube vertreten, verfolgen einen anderen Ansatz. Sie behaupten, dass schwierige Bedingungen zu Hause einen viel größeren Einfluss auf die psychischen Probleme des Klägers haben als das Design einer App. Während der Eröffnungsplädoyer brachte die Verteidigung Aufzeichnungen über familiäre Probleme und häusliche Probleme zur Sprache und sagte, dies seien die „wesentlichen Faktoren“, die ihr Leid verursachten.

Darüber hinaus betonen die Unternehmen, dass sie im Laufe der Jahre verschiedene Sicherheitsfunktionen wie „Teenager-Konten“ und Inhaltsfilter eingeführt haben. Kritiker und Staatsanwälte argumentieren jedoch, dass diese Maßnahmen oft oberflächlich seien und den Kern der „Sucht“-Natur der Algorithmen nicht berücksichtigen.

Die Technologieunternehmen behaupten außerdem, dass sie einen Dienst anbieten und nicht dafür haftbar sind, wie Einzelpersonen ihn nutzen. Sie verweisen auf ein Bundesgesetz, das Plattformen generell davor schützt, für Inhalte Dritter zur Verantwortung gezogen zu werden. Der Ausgang dieses Falles könnte sich jedoch dahingehend ändern, dass, wenn die Jury entscheidet, der „Schaden“ in der Architektur der Plattform selbst und nicht in den Beiträgen liegt.

Eine wachsende Welle globalen Drucks

Dieser Prozess ist richtungsweisend. Letzteres bedeutet, dass das Ergebnis eine Rechtsprechung hervorbringen wird, die wahrscheinlich Tausende anderer Klagen beeinflussen wird, die von Eltern, Schulbezirken und Generalstaatsanwälten im ganzen Land eingereicht werden. In einem ähnlichen Schritt reichten kürzlich 29 Staatsanwälte eine einstweilige Verfügung ein, um Meta zu zwingen, Funktionen wie das unendliche Scrollen für Minderjährige zu deaktivieren und die von Kindern unter 13 Jahren erfassten Daten zu löschen.

Der Druck kommt nicht nur aus den USA. Weltweit haben Länder wie Australien bereits den Schritt unternommen, soziale Medien für Personen unter 16 Jahren zu verbieten. Inzwischen erwägen andere Länder in Europa – Frankreich, Großbritannien und Spanien – ähnliche Beschränkungen.

Der Prozess soll etwa sechs Wochen dauern. Es wird Aussagen von Persönlichkeiten des öffentlichen Technologiesektors wie Mark Zuckerberg, dem CEO von Meta, und Neal Mohan, dem CEO von YouTube, geben. Auch medizinische Experten und Whistleblower werden aussagen, wie sich soziale Medien auf das Gehirn von Kindern und Jugendlichen auswirken.