In den letzten Wochen hat die russische Regierung YouTube scharf kritisiert. Die Videoplattform ist eine der wenigen im Land, die Inhalte mit Bezug zu Kremlgegnern zulässt. Als Reaktion darauf blockiert Russland den Zugang zu YouTube durch eine massive Drosselung der Internetgeschwindigkeit.
Berichten zufolge ist YouTube in Russland derzeit praktisch nicht nutzbar. Offenbar führt die Regierung keine vollständige Sperre auf ISP-Ebene durch. Stattdessen wird die Internetgeschwindigkeit reduziert, um die Wiedergabe und das Hochladen von Videos zu verhindern. Internetverbindungen sollen auf bis zu 128 Kbps gedrosselt werden, wenn eine mit YouTube verbundene URL oder Domain erkannt wird.
Russische Regierung sperrt YouTube, weil oppositionsbezogene Inhalte nicht entfernt werden
Der russischen Regierung gefällt es nicht, dass Oppositionelle ungehindert Inhalte hochladen können. Wie Reuters berichtete, haben viele der beliebtesten sozialen Plattformen solche Videos oder Beiträge entfernt, um Vergeltungsmaßnahmen zu vermeiden. YouTube ignoriert jedoch weiterhin Anfragen zur Entfernung von Inhalten ohne triftigen Grund.
Zunächst versuchte Russland, Google für die schlechte Internetgeschwindigkeit und Leistung von YouTube verantwortlich zu machen. Der Riese aus Mountain View wies die Vorwürfe jedoch schnell zurück und erklärte, das Problem liege nicht auf seiner Seite. Allerdings hatte ein russischer Regierungsbeamter bereits vor der Maßnahme gegen YouTube gewarnt. Alexander Khinshtein, Vorsitzender eines parlamentarischen Ausschusses für Informationspolitik, erwähnte, dass sie beim Zugriff auf die Plattform eine Drosselung der Internetgeschwindigkeit um bis zu 70 % vornehmen würden.
Damals sagte Khinshtein, die Maßnahme sei „ein notwendiger Schritt, der sich nicht gegen russische Nutzer richtet, sondern gegen die Verwaltung einer ausländischen Ressource, die immer noch glaubt, unsere Gesetze ungestraft verletzen und ignorieren zu können“. Ob die russische Regierung ähnliche Maßnahmen gegen andere Google-Dienste im Land ergreifen wird, ist unklar.
Es gibt Leute, die die Drosselung der Internetgeschwindigkeit mithilfe eines VPN umgehen konnten. Es gibt auch bestimmte Mobilgeräte, auf denen die Plattform weiterhin ordnungsgemäß funktioniert. Es bleibt abzuwarten, ob die Sperrung von YouTube in Russland dauerhaft sein wird oder ob es sich nur um einen vorübergehenden Zwangsversuch handelt.