Dieses Jahr könnte eines der größten Veränderungen in der Technologiebranche überhaupt werden. Mehrere Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit Googles Such- und Werbediensten haben das Unternehmen in seinem Heimatland erschüttert. Die jüngsten Entwicklungen scheinen für Google ungünstig zu sein, da der Richter im AdTech-Prozess bestimmte interne Richtlinien des Unternehmens scharf angegriffen hat, die zur Vernichtung von Beweismitteln führen würden.
Zum Kontext: Der AdTech-Prozess ist der zweite große Rechtsstreit, dem sich Google in diesem Jahr stellen muss. Der Prozess dreht sich um Googles Strategien gegen Konkurrenten, um seine Vorherrschaft im Bereich der digitalen Werbetechnologie aufrechtzuerhalten. In einem früheren Prozess errang das Justizministerium einen durchschlagenden Sieg, nachdem der Richter Googles Praktiken im Suchmaschinensegment als monopolistisch einstufte.
AdTech-Kartellrichter übt scharfe Kritik an Googles internen Praktiken
Der AdTech-Prozess, der vom Justizministerium und einer Koalition von Staaten im Jahr 2023 eingeleitet wurde, soll in weniger als zwei Wochen beginnen. Es scheint jedoch, dass es Google angesichts der Position von Richterin Leonie Brinkema nicht leicht haben wird, sich zu verteidigen. Die Richterin sagt, Googles Maßnahmen im Zusammenhang mit dem sogenannten Walker-Memo seien „absolut unangemessen und nicht angemessen“.
Das „Walker Memo“ bezieht sich auf interne Protokolle, die Google für seine Mitarbeiter festgelegt hat, um sich vor Klagen im Zusammenhang mit seinen Geschäftspraktiken zu schützen. Das Protokoll würde die Aktivierung eines „Verlauf aus“-Modus für vertrauliche Chats beinhalten, der Nachrichten innerhalb von 24 Stunden löscht. Ja, Google hat Snapchat vor Snapchat „erfunden“, aber nicht für genau denselben Zweck. In den Rechtsdokumenten heißt es, dass Google-Mitarbeiter diese Richtlinien scherzhaft als „Vegas-Modus“ bezeichnen. Google selbst betrachtet sie hingegen als Praktiken der „sorgfältigen Kommunikation“.
Das „Walker Memo“ ist nach einem Memo von Googles Chefjurist Kent Walker benannt. Das Memo stammt aus dem Jahr 2008, die besonderen protektionistischen Maßnahmen von Google wären also bereits seit 16 Jahren in Kraft. Richter Brinkema war damit nicht einverstanden und nannte sie „unglaubliche rauchende Colts“ für potenziell unangemessene Praktiken. Der Richter im AdTech-Prozess glaubt, dass Google systematisch Beweise vernichtet hat, die den Ausgang des Prozesses bestimmen könnten.
Ein weiteres Urteil gegen Google würde die Branche für immer verändern
Das Urteil im AdTech-Prozess gegen Google könnte in der Branche für Aufregung sorgen. Als Reaktion auf den vorherigen Rückschlag muss Google bereits jetzt erhebliche Änderungen an seinen Praktiken im Zusammenhang mit der Google-Suche vornehmen. Ein negatives Ergebnis im AdTech-Prozess hätte ähnliche Auswirkungen und könnte sich auf Preisgestaltung oder sogar Anzeigenreichweite auswirken, um sicherzustellen, dass Dritte fair konkurrieren können.
Interessanterweise sieht einer der Vorschläge des Justizministeriums vor, dass Google sich vollständig von seiner AdTech-Plattform trennt. Angesichts der Bedeutung von Anzeigen für Googles Geschäft ist dies jedoch unwahrscheinlich. Unterdessen steht im März 2025 in Texas ein weiterer AdTech-bezogener Kartellprozess gegen das Unternehmen an. Die Rechtsabteilung von Google scheint also genauso beschäftigt zu sein wie die KI-Abteilungen.