In der Halbleiterindustrie ist ein brisanter Rechtsstreit im Entstehen. Am 25. November 2025 reichte TSMC, der weltweit führende Chipgießer, in Taiwan eine Klage gegen einen seiner ehemaligen leitenden Angestellten, Wei-Jen Lo, ein. Dieser wettbewerbsintensive Sektor zeichnet sich durch milliardenschwere Forschung und Entwicklung sowie strenge Technologiegeheimnisse aus. In diesem Fall besteht der Kernvorwurf der TSMC-Klage darin, dass Wei-Jen Lo gegen seine Wettbewerbsverbots- und Vertraulichkeitsvereinbarungen verstoßen hat, indem er schnell zu einem direkten Konkurrenten, Intel, wechselte.
TSMC-Klage wegen Geschäftsgeheimnissen gegen Ex-Manager Wei-Jen Lo nach seinem Wechsel zu Intel
Lo war über ein Jahrzehnt lang Senior Vice President bei TSMC. Er hat zweifellos eine wichtige Rolle bei der Entwicklung fortschrittlicher Prozesstechnologie gespielt. Lo schied am 27. Juli 2025 offiziell aus dem Unternehmen aus. Kurz vor seinem Ausscheiden teilte er TSMC angeblich während seines Austrittsgesprächs mit, dass er beabsichtige, eine akademische Rolle zu übernehmen. Kurz nach seiner Pensionierung tauchte Lo jedoch schnell wieder bei Intel auf und übernahm die Position des Executive Vice President.
TSMC behauptet, dieser schnelle Übergang deutet auf einen schwerwiegenden Verstoß gegen die von Lo unterzeichneten Vereinbarungen hin. Sie behaupten, der Schritt stelle ein erhebliches Risiko dar, dass Lo die wichtigsten Geschäftsgeheimnisse des Unternehmens nutzen oder an Intel weitergeben könnte.
Die Zugriffsvorwürfe
Zu den Bedenken des Unternehmens kommen noch Vorwürfe bezüglich des Verhaltens der Führungskraft vor seiner Abreise hinzu (berichtet von Digitimes, über @jukan05). TSMC stellte fest, dass sie Lo im März 2024 einer Abteilung für die Entwicklung von Unternehmensstrategien zugewiesen haben, eine Rolle, die sich auf die Beratung des Vorsitzenden und CEO konzentriert. Dies hätte ihn von der direkten F&E-Aufsicht entbinden sollen.
Trotz dieser Änderung behauptet TSMC, dass Lo weiterhin Zugang zu sensiblen Technologieinformationen suchte. Angeblich hielt er Treffen mit F&E-Mitarbeitern außerhalb seiner Berichtslinie ab. Genauer gesagt hat er angeblich Einzelheiten zu Technologien angefordert, die sich in der Entwicklung befinden oder für zukünftige Fertigungsknoten geplant sind, einschließlich der hochmodernen A16- und A14-Prozesse. TSMC betrachtet diese Vorruhestandsmaßnahmen als Anzeichen für seine Absicht, kritisches geistiges Eigentum zu sammeln.
Reaktion der Industrie und der Regierung
Die Klage erregte sofort die Aufmerksamkeit der Aufsichtsbehörden. Taiwanesische Behörden, darunter das Wirtschaftsministerium, bestätigten, dass Staatsanwälte und Ermittler eine Untersuchung eingeleitet haben. Sie zielen darauf ab, festzustellen, ob es sich bei der Angelegenheit um Verstöße gegen nationale Kerntechnologien oder nationale Sicherheitsgesetze handelt.
Unterdessen versuchte Intel, das Unternehmen, das den Manager eingestellt hatte, öffentlich, den Ernst der Lage herunterzuspielen. Lip-Bu Tan, CEO von Intel, ging kürzlich auf einer Branchenveranstaltung auf das Problem ein und tat die Berichte als „Gerüchte und Spekulationen“ ab. Tan erklärte außerdem, dass Intel alle geistigen Eigentumsrechte respektiere. Er machte keine konkreten Angaben zum Einstellungsprozess, lehnte jedoch die Vorstellung ab, dass Lo vertrauliche TSMC-Informationen an das Unternehmen weitergegeben hatte.
Die Behörden sammeln derzeit vorläufige Beweise und TSMC fordert erhebliche Rechtsmittel und Schadensersatz. In den kommenden Wochen dürfte es weitere Neuigkeiten zur Situation geben.