Vernichtet Google den Nachrichtenverkehr? Verleger wehren sich mit EU-Beschwerde

Oscar

Google und Nachrichtenseiten hatten lange Zeit eine einfache Beziehung: Google indexierte ihre Artikel und schickte ihnen im Gegenzug Traffic. Der Aufstieg der künstlichen Intelligenz hat diesen „Wirtschaftspakt“ hingegen stark verändert. Der European Publishers Council (EPC) hat diese Woche eine formelle Kartellbeschwerde bei der Europäischen Kommission (EU) eingereicht und behauptet, dass die neuen KI-Funktionen von Google den Verlagen nicht mehr helfen, sondern sie ersetzen.

Warum Googles KI-Übersichten in der EU einer EPC-Kartellklage ausgesetzt sind

„KI-Übersichten“ und andere LLM-basierte Funktionen sind der Kern dieser Meinungsverschiedenheit. Derzeit zeigt Google häufig oben auf der Seite eine detaillierte Zusammenfassung an, wenn Sie nach etwas suchen. Die Herausgeber sagen, dass diese Zusammenfassungen so umfassend sind, dass die Leser das Gefühl haben, sie müssten sich nicht mehr zur Originalquelle durchklicken.

Der EPC nennt dies „systematische Verkehrssubstitution“. Einigen Berichten zufolge ist der Traffic einiger Unternehmen seit der Einführung dieser KI-Tools durch Google um bis zu 40 % gesunken. Verleger werfen Google im Wesentlichen vor, ihren hochwertigen, professionell redigierten Journalismus zu nutzen, um seine KI zu trainieren und die Nutzer im eigenen Ökosystem zu halten. Dies könnte dazu führen, dass die Einnahmen, die die Nachrichtenredaktionen am Leben halten, wegfallen.

Eine „unhaltbare Entscheidung“

Einer der frustrierendsten Aspekte für Medienunternehmen ist die mangelnde Kontrolle. In der Beschwerde heißt es, dass Verlage sich in einer schwierigen Situation befinden: Sie können entweder Google ihre Inhalte crawlen lassen und daraus KI-Zusammenfassungen erstellen, oder sie können Google dies nicht überlassen und riskieren, ihre gesamte Sichtbarkeit in den allgemeinen Suchergebnissen zu verlieren.

Für die meisten Medienmarken ist ein Verschwinden aus der Google-Suche keine realistische Option. Der EPC argumentiert, dass die aktuellen technischen Kontrollen, die Google anbietet, keine sinnvolle Möglichkeit bieten, den Journalismus zu schützen, ohne „digitalen Selbstmord“ zu begehen. Andere KI-Unternehmen haben damit begonnen, Lizenzverträge abzuschließen, um für die von ihnen genutzten Inhalte zu bezahlen. Allerdings behaupten die Herausgeber, Google nutze seine marktbeherrschende Macht, um solche Vereinbarungen zu vermeiden.

Was steht auf dem Spiel?

Google hat sich gegen diese Behauptungen gewehrt. Das Unternehmen gab an, dass seine KI-Funktionen darauf ausgelegt sind, großartige Inhalte anzuzeigen, und dass Verlage über benutzerfreundliche Steuerelemente verfügen. Sie argumentieren, dass diese Beschwerden lediglich ein Versuch seien, neue Technologien zurückzuhalten, die die Benutzer tatsächlich wollen.

Allerdings warnen die Herausgeber, dass der Schaden irreversibel sein könnte. Wenn Nachrichtenorganisationen die Fähigkeit verlieren, Werbekunden anzuziehen und direkte Beziehungen zu den Lesern aufzubauen, könnte der Pluralismus der Medienlandschaft – und damit auch der demokratische Diskurs – gefährdet sein.

Die Europäische Kommission untersucht bereits die Nutzung von Webinhalten durch Google für KI, und wir dürften in den kommenden Wochen weitere Entwicklungen hierzu erfahren.