Der US-Kongress debattiert aktiv über ein Gesetzespaket zur Stärkung der Kindersicherheit im Internet, wobei ein Vorschlag bei großen Technologieunternehmen besondere Aufmerksamkeit – und Besorgnis – erregt. Mit dem App Store Accountability Act (ASA) soll ein nationaler Standard für die Altersverifizierung geschaffen werden, indem die Hauptverantwortung auf App Store-Betreiber wie Apple und Google verlagert wird. Gemäß der Gesetzgebung müssten diese Unternehmen das Alter eines Benutzers überprüfen, um den Zugriff Minderjähriger auf bestimmte Apps einzuschränken. Darüber hinaus sollten sie diese Informationen auf eine Weise verwalten, die die Privatsphäre schützt.
Werden App-Stores in den USA gezwungen sein, das Alter jedes Benutzers zu überprüfen?
Befürworter, darunter Sponsoren und Technologieunternehmen wie Pinterest und Meta, argumentieren, dass die ASA eine vernünftige Lösung biete. Sie glauben, dass die Festlegung eines einheitlichen Bundesstandards für Eltern einfacher ist und das derzeitige „rechtliche Durcheinander“ der bundesstaatlichen Vorschriften vermeidet. Für Branchenbefürworter entlastet die Belastung zweier wichtiger Gatekeeper auch einzelne App-Entwickler, die ansonsten komplexe Verifizierungsprotokolle verwalten müssten.
Trotz dieser Unterstützung haben Apple und Google öffentlich tiefe Bedenken geäußert. Dabei geht es vor allem um Privatsphäre und Schuld. Sie argumentieren, dass die Anforderung einer kontinuierlichen Altersüberprüfung und des Datenaustauschs neue, unnötige Risiken für die Privatsphäre von Minderjährigen mit sich bringt. Darüber hinaus vermuten Kritiker, dass die ASA grundsätzlich die Schuld abwälzt. Durch die Verpflichtung von App Stores, die anfängliche Altersprüfung durchzuführen, könnte jede Nichtbeschränkung schädlicher Inhalte beim App Store-Betreiber landen und nicht bei den ursprünglichen Inhaltserstellern oder Social-Media-Plattformen, die für die Moderation verantwortlich sind.
Diese regulatorische Abkürzung, die den App Store als primären Engpasspunkt ins Visier nimmt, steht bereits vor einer rechtlichen Prüfung. Ein ähnliches Gesetz zur Altersüberprüfung, das in Texas verabschiedet wurde, unterliegt derzeit rechtlichen Anfechtungen. Die Gegner stellen in Frage, ob solche umfassenden Maßnahmen gegen den Ersten Verfassungszusatz verstoßen, indem sie den Zugang zu juristischer Meinungsäußerung einschränken.
Internationale Warnungen und unbeabsichtigte Folgen
Der Gesetzgeber muss noch eine perfekte gesetzgeberische Lösung finden. Es wird keine leichte Aufgabe sein, da es alle Seiten zufriedenstellen sollte, ohne neue Probleme für allgemeine Benutzer zu schaffen. Die Erfahrungen anderer Länder dienen als warnendes Beispiel.
Der Online Safety Act des Vereinigten Königreichs, der darauf abzielte, den Zugang zu schädlichen Inhalten einzudämmen, erforderte eine weitreichende Altersüberprüfung auf vielen Websites und Diensten. Die Umsetzung hat zu erheblichen Reibungsverlusten geführt. Einige Websites haben sich sogar dafür entschieden, britische Benutzer vollständig zu blockieren. Die Anforderungen ermutigten Benutzer auch dazu, VPNs zu nutzen, um die Beschränkungen zu umgehen, oder führten zur Erfassung sensibler Daten wie Ausweise oder Kreditkarteninformationen. Dies erhöht zweifellos die allgemeinen Sicherheitsrisiken.
Die Debatte um das ASA zeigt, wie schwierig es ist, die Balance zwischen Regulierungsabsicht und praktischer Umsetzung zu finden. Der Schutz von Kindern im Internet ist ein klares und lobenswertes Ziel. Allerdings bleibt die Schaffung eines einheitlichen Bundesstandards, der neue Anforderungen an den Datenaustausch auferlegt, Instrumente zum Schutz der Privatsphäre der Verbraucher untergräbt und möglicherweise die Ersteller von Inhalten von ihrer Verantwortung entbindet, eine komplexe Herausforderung, die der Kongress lösen muss.